Arbeitsplatz vorhanden, Arbeitsbeginn blockiert: Lange Verfahren bremsen internationale Pflegekräfte
Der VKAD fordert verbindliche Bearbeitungsfristen und eine zentrale digitale Steuerung. Die Caritas Altenhilfe Berlin berichtet aus der Praxis über die Folgen für Beschäftigte und Einrichtungen.
Berlin, 15. September 2026 | Ein Arbeitsplatz ist vorhanden, die Pflegekraft wird gebraucht, trotzdem kann sie ihre Stelle nicht antreten, weil behördliche Entscheidungen ausstehen. Für internationale Pflegekräfte bedeutet das mitunter monatelange Unsicherheit. In den Einrichtungen bleiben Stellen trotz erfolgreicher Anwerbung unbesetzt.
Dabei sind internationale Beschäftigte längst Teil der pflegerischen Versorgung in Deutschland. In der ambulanten und stationären Pflege hat fast jede vierte Pflegekraft eine ausländische Staatsangehörigkeit. Seit 2022 wächst die Beschäftigung in der Pflege im Wesentlichen durch ausländische Beschäftigte. Gleichzeitig steigt der Pflegebedarf, während die Babyboomer nach und nach aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden.
Verbindliche Fristen und transparente Verfahren
Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland (VKAD) fordert deshalb vor allem transparentere und schnellere Verfahren. Im beschleunigten Fachkräfteverfahren soll für die Vorabzustimmung der Ausländerbehörden eine verbindliche Bearbeitungsfrist von drei Wochen gelten. Die geplante bundesweite Work-and-Stay-Agentur soll zügig aufgebaut und vollständig digital umgesetzt werden, damit Anträge gebündelt bearbeitet, Dokumente nicht mehrfach eingereicht werden und Fachkräfte wie Arbeitgeber den Stand des Verfahrens nachvollziehen können. Ein weiterer Hebel ist die Anerkennung ausländischer Pflegeabschlüsse. Eine bundesweit gültige Positivliste könnte transparent ausweisen, welche Abschlüsse bereits als gleichwertig anerkannt werden und wo noch Anpassungsmaßnahmen nötig sind.
Dazu VKAD-Geschäftsführer Andreas Wedeking: "Deutschland sucht Pflegekräfte auf der ganzen Welt und stellt ihnen dann die eigene Bürokratie in den Weg. Der Arbeitsplatz ist da, die Einrichtung wartet, die Pflegekraft will anfangen und trotzdem können Monate vergehen. Andere Länder suchen dieselben Menschen. Mit solchen Verfahren machen wir Deutschland im Wettbewerb um Pflegekräfte unattraktiver."
Hoher Aufwand verhindert schon den Einstieg ins Verfahren
Wie sich lange Verfahren konkret auswirken, erlebt die Caritas Altenhilfe Berlin. Der Träger gewinnt selbst Pflegekräfte und Auszubildende aus dem Ausland und begleitet sie beim Einstieg in Deutschland.
Dazu Bärbel Arwe, Geschäftsführerin der Caritas Altenhilfe Berlin: "Allein in den vergangenen zwei Wochen haben wir mehr als 800 Bewerbungen aus dem Ausland erhalten — und fast alle mussten wir umgehend absagen. Nicht weil keine Stellen frei sind, sondern weil das Verfahren so aufwendig ist, dass wir diese Menschen darin nicht begleiten können. Internationale Pflegekräfte sind keine Zukunftsvision — sie sind unsere Gegenwart, täglich, in jeder Schicht. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, die weit über einzelne Träger hinausgeht: Politik, Verwaltung und Gesellschaft müssen Rahmenbedingungen schaffen, die dieser Realität entsprechen. Eine bundesweite digitale Work-and-Stay-Agentur wäre ein sehr konkreter und nützlicher Schritt."
Ein Arbeitsvertrag allein hält noch keine Pflegekraft in Deutschland
Ein unterschriebener Arbeitsvertrag besetzt eine Stelle noch nicht auf Dauer. Ob internationale Mitarbeitende in Deutschland eine langfristige Perspektive entwickeln, hängt auch davon ab, was nach der Ankunft passiert. Sprachförderung und Begleitung gehören dazu, ebenso soziale Integration und ein Umfeld, in dem die neuen Mitarbeitenden ihren Platz im Team und im Alltag finden. Internationale Beschäftigte auf ihre Funktion als Antwort auf den Personalmangel zu reduzieren, greift deshalb zu kurz.
Die Einrichtungen investieren bereits erhebliche finanzielle und personelle Ressourcen in Anwerbung, Integration und Begleitung. Viele der Hürden, die sie dabei auffangen müssen, entstehen jedoch außerhalb ihres Einflussbereichs. "Wir können nicht dauerhaft reparieren, was an anderer Stelle strukturell nicht funktioniert", so Arwe. "Die Pflege in Deutschland ist längst international. Es ist Zeit, dass Politik und Verwaltung mit dieser Realität Schritt halten."
Die Pflege zeigt längst eine andere Realität der Migration
Der VKAD veröffentlicht seine Forderungen bewusst in eine Zeit der Wahlkämpfe, in der Migration häufig unter dem Vorzeichen von Begrenzung und Abwehr diskutiert wird. Der Blick in die Pflege zeigt längst eine andere Realität: Internationale Kolleg*innen sichern heute Versorgung mit. Ohne sie wird der wachsende Pflegebedarf nicht zu bewältigen sein. Diese Realität gehört auch in die politische Migrationsdebatte.
Über den VKAD
Der Verband katholischer Altenhilfe in Deutschland e.V. vertritt unter dem Dach des Deutschen
Caritasverbandes bundesweit rund 500 Träger der katholischen Langzeitpflege mit mehr als
2.200 Einrichtungen und Diensten und rund 100.000 Mitarbeitenden.
Über die Caritas Altenhilfe Berlin
Die Caritas Altenhilfe gGmbH betreibt 64 Senioreneinrichtungen an 37 Standorten in Berlin,
Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern und verfügt über langjährige Erfahrungen bei der
Beschäftigung und Integration internationaler Mitarbeitender.