Ein Perspektivwechsel

Stille Nacht?

Weihnachten in der Pflege

Pflege ist ein 24-Stunden-Job, auch an Weihnachten

Berlin-Kreuzberg - Auch am Heiligabend beginnt um 6 Uhr die Frühschicht in der Caritas-Sozialstation. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ambulanten Pflege kümmern sich um Menschen in deren häuslichem Umfeld. Sie sichern die medizinische und pflegerische Versorgung. Wenn es draußen langsam hell wird und die meisten Menschen sich um ihre letzten Weihnachtsbesorgungen kümmern, fahren die Pflegekräfte ihre ersten Kunden an. Die Dienstpläne sind an den Wünschen der Mitarbeiter orientiert, darauf versuchen Folke Geske, die stellvertretende Pflegedienstleiterin und ihr Team, zu achten. Die Einsatztouren an Weihnachten zu planen, ist herausfordernd. Viele Kunden melden sich kurzfristig an oder ab. Viele Krankenhäuser entlassen ihre Patienten, deren Pflege wird dann durch die Sozialstationen sichergestellt. Es muss berücksichtigt werden, dass Geschäfte, Ärzte und Apotheken geschlossen sind. Medikamente müssen rechtzeitig besorgt und Einkäufe im Vorfeld erledigt werden.

Weihnachtlich beleuchtete Modellhäuschen

Berlin-Oberschöneweide - In der Kurz­zeitpflege des Seniorenzentrums St. Kon­rad sind die Weihnachtsfeiertage beson­ders. Die Räume sind festlich dekoriert, Basteleien zieren die Tische und auf jeder Etage leuchtet ein Weihnachtsbaum. "Ich mag Weihnachten, aber in der Pflege, ist es ein Weihnachtsmarathon! Der ganze Monat Dezember ist anstrengend. Neben den privaten Weihnachtsvorbereitungen, organisieren wir viele Aktivitäten für un­sere Gäste", erzählt Martina Hintze, die Pflegedienstleiterin der Kurzzeitpflege. Der Dezember ist gespickt mit weihnachtli­chen Veranstaltungen, wie beispielsweise dem jährlichen Adventsmarkt. Am Morgen des 24. Dezembers kümmert sich die Frühschicht um das Aufstehen und Zu­rechtmachen der Gäste. Es gibt Frühstück und Mittag an weihnachtlich dekorierten Tischen.

Rund um die Uhr Einsatzbereit

Berlin-Wilmersdorf - Die Mitarbeiter der Pflegerufzentrale sind bereits im Einsatz. Sie sind rund um die Uhr Ansprechpartner für Kunden und Kollegen der Caritas- Sozialstationen. Sie klären telefonisch die Anliegen der Kunden, vermitteln Wohn- und Pflegeangebote im Erzbistum Berlin und sind in Notfällen da. Ingrid Brünjes leitet die Pflegerufzentrale: "Die letzten Jahre haben meine Mitarbeiterin Simone Krahn und ich oft die Früh- und Spätschicht übernommen. Wir schmücken die Pflegerufzentrale, eine Kerze brennt,

vier brennende Kerzen auf dem Adventskranz

es gibt einen bunten Teller und im Hintergrund läuft leise Weihnachtsmusik. Wir machen es uns hier gemütlich." Über die Feiertage ist der Innendienst der Sozialstationen nicht besetzt. Alle Fragen der Kunden und der Mitarbeiter, die für diese auf Pflegetour sind, landen dann in der Pflegerufzentrale. Diese vertritt den Innendienst der 16 Berliner Sozialstationen und die Anrufe häufen sich. Die Leute sind oft sehr gestresst, ein Bitte und ein Danke hören die Damen der Pflegerufzentrale zu dieser Zeit selten. Die Angehörigen rufen an, um die Kunden von der Pflege an- oder abzumelden oder sie wollen wissen, wann die Pflegekraft kommt. Die Kunden selbst sind in dieser Zeit aufgeregt und aufgescheucht. Zur Vertretung gehört auch, Einsatztouren neu zu planen, wenn krankheitsbedingt Pflegekräfte ausfallen. "Wir müssen dann Kollegen aus den Feiertagen holen. Kaum einer wünscht in dieser Situation dann Frohe Weihnachten", lächelt Ingrid Brünjes. Einzelne Anrufer aber zaubern Weihnachtsstimmung herbei. Eine ältere Dame ruft jeden Tag an und begrüßt um 14 Uhr die Spätschicht. Zu Weihnachten singt sie für die Mitarbeiter Lieder und betet für sie. "Das berührt mich sehr", verrät Simone Krahn. "Weihnachten ist überall. Es sind die kleinen Dinge. Es sind die Menschlichkeit und das Miteinander", resümiert Ingrid Brünjes. Wenn das Telefon an diesem Tag mal still steht, nehmen sich die Mitarbeiter einen kurzen Moment für ein wenig Besinnlichkeit.

Berlin-Kreuzberg - Ab 14 Uhr beginnt die Spätschicht in der ambulanten Pflege ihren Dienst. Zu Weihnachten haben die Kunden besondere Wünsche. Sie wollen für die Feierlichkeiten hübsch gemacht werden, Pflegekräfte gehen im Vorfeld mit einigen Kunden Weihnachtsbäume kau­fen, sie backen gemeinsam Plätzchen und dekorieren die Wohnungen. Manchmal passiert es an Heiligabend, beispielsweise bei Insulin-Patienten, dass die Pflegekräfte in eine Familienfeier hineingeraten und sie zum Kaffee eingeladen werden.

Ein Moment Besinnlichkeit bei einer heißen Tasse Kaffee

"Oft sind die pflegebedürftigen Senioren ganz allein zu Hause. Sie freuen sich, wenn wir kom­men. Einige reden gern über Weihnachten und erzählen von Früher. Wenn Sie nicht mehr in die Kirche gehen können oder wollen, dann mache ich ihnen die Messe im Fernsehen an. Weihnachten bringen wir immer ein kleines bisschen mehr Zeit mit", erzählt Janett Graske, Kranken­schwester der Sozialstation Kreuzberg. Sie und ihre Kollegen verschenken jedes Jahr den Caritas-Kalender und einen klei­nes, hübsch verpacktes Adventsheftchen.

Berlin-Oberschöneweide - Wieder im Seniorenzentrum St. Konrad. Hier findet nachmittags ein Weihnachtscafé statt. Bei Kaffee und Plätzchen werden Lieder ge­sungen, Gedichte vorgetragen und Pflegekräfte lesen die Weihnachtsge­schichte vor. Gegen frühen Abend be­gleiten die Pfleger die Gäste zur Andacht mit Pfarrer Ullrich. Gemeinsam werden die Lichter am weiß und silberfarbig ge­schmückten Weihnachtsbaum entzündet. Nach einem festlichen Abendessen sitzen alle gemeinsam im Wohnzimmer zusam­men. Es wird Fernsehen geguckt und geredet. "Einige Bewohner ziehen sich zurück. Andere reden viel über frühere Weihnachtsfeste und schwelgen in Erin­nerungen. Die Emotionen dabei sind ganz unterschiedlich", beschreibt Martina Hintze die Stimmung. Viele Pfleger arbeiten ger­ne an Heiligabend, um bei den Gästen zu sein und ihnen schöne Feiertage zu ge­stalten. Martina Hintze hat jahrelang Hei­ligabend gearbeitet: "Ich habe mit meiner Familie morgens ausgiebig gefrühstückt, dabei gab es dann die Geschenke. Meine Tochter dachte immer, es ist normal, dass der Weihnachtsmann morgens kommt", schmunzelt sie.

Weihnachten in der Pflege - jedes Jahr sind viele Hände bemüht, bedürftigen Menschen ein friedvolles und besinnliches Weihnachten zu bescheren und leben den Geist von Weihnachten.